14.6.26: Ersatzwahlen Wil «5 Fragen an...» Lukas Reimann
Wie gestalten Sie den Austausch zwischen Stadt und lokaler Wirtschaft, damit Anliegen der Unternehmen wirksam in Entscheidungsprozesse sowie deren Umsetzung einfliessen?
Der Austausch zwischen Stadt und Wirtschaft muss verbindlich, regelmässig und praxisnah sein. Unternehmen spüren sehr früh, wo Verfahren zu kompliziert sind, wo Verkehrsfragen bremsen oder wo die Verwaltung schneller und klarer entscheiden müsste. Dieses Wissen muss in der Stadtpolitik stärker genutzt werden. Ich setze mich dafür ein, dass der Stadtrat den direkten Dialog mit Gewerbe, Industrie, Detailhandel und Dienstleistungsbetrieben systematisch pflegt – zum Beispiel über regelmässige Standortgespräche mit Wirtschaftsvertretungen wie dem wrw, aber auch über den direkten Kontakt zu Betrieben. Wichtig ist: Zuhören allein genügt nicht. Anliegen müssen sauber aufgenommen, politisch eingeordnet und bei Entscheiden nachvollziehbar berücksichtigt werden. Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, zahlt Steuern und trägt wesentlich zur Attraktivität von Wil bei. Darum gehört ihre praktische Erfahrung frühzeitig an den Tisch.
Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf für den Wirtschaftsstandort Wil und welche Massnahmen priorisieren Sie zur gezielten Stärkung der Standortattraktivität und der Wirtschaftsförderung?
Der grösste Handlungsbedarf liegt bei den Rahmenbedingungen. Unternehmen brauchen Planungssicherheit, gute Erreichbarkeit, funktionierende Infrastruktur und eine Verwaltung, die lösungsorientiert arbeitet. Wirtschaftsförderung beginnt nicht mit schönen Konzepten, sondern mit verlässlichen Entscheiden im Alltag. Priorität haben für mich drei Punkte: Erstens müssen Bewilligungsverfahren verständlich, zügig und berechenbar sein. Zweitens braucht Wil eine Verkehrspolitik, die Erreichbarkeit für Kunden, Mitarbeitende, Lieferanten und Anwohner zusammendenkt. Drittens soll die Stadt ihre Standortpolitik aktiver führen – also Flächen, Infrastruktur, Steuern und Verwaltungsprozesse konsequent darauf prüfen, ob sie Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Wil stärken. Eine Stadt kann nur gestalten, wenn sie wirtschaftlich gesund bleibt. Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Investitionen entstehen dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Davon profitieren nicht nur Unternehmen, sondern die ganze Bevölkerung.
Wie erreichen Sie es, Wil als attraktiven Arbeits- und Lebensort für Unternehmen und Fachkräfte weiterzuentwickeln?
Für Fachkräfte zählt heute das Gesamtpaket: gute Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum, verlässliche Schulen und Kinderbetreuung, Sicherheit, kurze Wege, ein attraktives Zentrum und eine gute Verkehrsanbindung. Wil hat hier viel Potenzial, muss seine Stärken aber konsequent pflegen und weiterentwickeln. Für Unternehmen ist entscheidend, dass sie Fachkräfte finden und halten können. Darum darf Standortpolitik nicht isoliert betrachtet werden. Wer gute Unternehmen in Wil behalten oder neu ansiedeln will, muss auch dafür sorgen, dass Mitarbeitende gerne hier wohnen, einkaufen, unterwegs sind und ihre Familien gut aufgehoben wissen. Dazu gehören eine saubere Finanzpolitik, Sicherheit im öffentlichen Raum, funktionierende Schulen und starke Bildung, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie ein Umgang der Stadt mit Unternehmen, der respektvoll und lösungsorientiert ist. Die Stadt kann den Fachkräftemangel nicht allein lösen. Aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, die es Unternehmen leichter machen, gute Mitarbeitende für Wil zu gewinnen.
Welche Rahmenbedingungen braucht es, um für Unternehmen in Wil – insbesondere bei Steuern, Verkehrsinfrastruktur und Bewilligungsverfahren – langfristig stabile, verlässliche und wettbewerbsfähige Verhältnisse zu gestalten?
Unternehmen investieren nur dort langfristig, wo sie Vertrauen in die Rahmenbedingungen haben. Dazu gehören tragbare Steuern, eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und Bewilligungsverfahren, die transparent, effizient und nachvollziehbar sind. Bei den Steuern braucht es finanzpolitische Disziplin. Die Stadt muss ihre Aufgaben erfüllen, aber auch sorgfältig mit ihren Mitteln umgehen. Bei der Verkehrsinfrastruktur ist entscheidend, dass Wil erreichbar bleibt – für Gewerbe, Kunden, Mitarbeitende und Lieferverkehr. Und bei Bewilligungsverfahren sollte die Stadt nicht als Hürde auftreten, sondern als professionelle Behörde, die klare Anforderungen stellt und Verfahren ohne unnötige Verzögerungen führt. Unternehmen brauchen in Wil verlässliche Steuern, gute Erreichbarkeit und faire Verfahren. Wenn Unternehmen investieren, Arbeitsplätze schaffen und hier bleiben, profitiert die ganze Stadt. Entscheidend ist, dass die Stadt klar, fair und effizient handelt.
Welches wirtschaftsrelevante Thema würden Sie bei einer Wahl in den Stadtrat bzw. ins Präsidium prioritär angehen?
Ich würde prioritär dort ansetzen, wo die Stadt unmittelbar Wirkung erzielen kann: bei den Verfahren und beim Umgang mit Unternehmen. Viele wirtschaftsrelevante Fragen hängen nicht nur von grossen Strategien ab, sondern von der täglichen Praxis der Verwaltung. Wie schnell erhält ein Unternehmen eine Antwort? Sind Zuständigkeiten klar? Werden Anliegen ernst genommen? Gibt es unnötige Schleifen? Mein Ziel ist eine Stadtverwaltung, die rechtlich sauber, aber gleichzeitig kundenorientiert arbeitet. Dazu gehören klare Fristen, verständliche Kommunikation und ein regelmässiger Austausch mit der lokalen Wirtschaft. Wenn Wil hier besser wird, stärkt das den Standort ganz konkret – ohne grosse Versprechen und ohne neue Bürokratie. Die Verwaltung setzt um, aber die politische Führung gibt die Haltung vor. Ein Stadtrat muss klar machen, dass Unternehmen in Wil ernst genommen werden und dass Verfahren effizient, korrekt und lösungsorientiert laufen sollen. Das ist eine politische Führungsaufgabe.
