14.6.26: Ersatzwahlen Wil «5 Fragen an...» Michael Sarbach
Wie gestalten Sie den Austausch zwischen Stadt und lokaler Wirtschaft, damit Anliegen der Unternehmen wirksam in Entscheidungsprozesse und deren Umsetzung einfliessen?
Unsere Stadt verfügt über enorm viel Know-How. In den Departementen, aber auch in den regionalen Unternehmen. Dieses Wissen müssen wir besser vernetzen und frühzeitig abholen. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Ich stehe für eine Politik des direkten Austauschs: kurze Wege, offene Türen und regelmässige Gespräche mit Gewerbe, Industrie und KMU. Gute Lösungen entstehen dort, wo Politik und Wirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten – nicht separat oder gar gegeneinander. Als Betriebsleiter im Kulturbereich, langjähriger und gut vernetzter Stadtparlamentarier und Kantonsrat weiss ich, wie wichtig gegenseitiges Verständnis, Wertschätzung und pragmatische Zusammenarbeit sind.
Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf für den Wirtschaftsstandort Wil und welche Massnahmen priorisieren Sie zur gezielten Stärkung der Standortattraktivität und der Wirtschaftsförderung?
Die Stadtregierung muss verlässlicher und mutiger werden. Viele Unternehmen wünschen sich weniger Bürokratie, planbare Prozesse und eine Verwaltung, die lösungsorientiert mitdenkt. Gleichzeitig müssen wir die Innenstadt stärken und attraktive Rahmenbedingungen für Gewerbe und Gastronomie schaffen. Der grösste Fehler wäre Stillstand. Wil hat enormes Potenzial: eine starke Lage, innovative Unternehmen, engagierte Menschen und hohe Lebensqualität. Dieses Potenzial müssen wir aktiver nutzen. Auch in der Standortförderung gibt es noch viel Potenzial, hier müssen mittelfristig professionellere Strukturen aufgebaut werden.
Wie erreichen Sie es, Wil als attraktiven Arbeits- und Lebensort für Unternehmen und Fachkräfte weiterzuentwickeln?
Fachkräfte suchen heute nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern ein Umfeld mit Lebensqualität. Dazu gehören gute Schulen, ein lebendiges Stadtzentrum mit Gastronomie, Kultur und Vereinen, Sportangebote sowie attraktive Begegnungsorte. Diese Stärken müssen wir pflegen und weiterentwickeln. Gleichzeitig braucht es bezahlbaren Wohnraum, gute Verkehrsverbindungen und eine wirtschaftsfreundliche Haltung. Ich bin überzeugt: Städte sind dann erfolgreich, wenn Menschen gerne dort leben. Wer Wil als Ganzes stärkt, stärkt automatisch auch den Wirtschaftsstandort.
Welche Rahmenbedingungen braucht es, um für Unternehmen in Wil – insbesondere bei Steuern, Verkehrsinfrastruktur und Bewilligungsverfahren – langfristig stabile, verlässliche und wettbewerbsfähige Verhältnisse zu gestalten?
Unternehmen brauchen vor allem Planungssicherheit und die Behörden als verlässlichen Partner. Dazu gehören eine offene Kommunikation, stabile Steuern, eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und effiziente Bewilligungsverfahren. Gerade bei Bau- oder Gastrobewilligungen müssen Prozesse nach meiner Erfahrung möglichst einfach, transparent und lösungsorientiert sein. Die Verwaltung muss Partnerin sein, nicht Hürde. Gleichzeitig braucht es Investitionen mit Augenmass: Dort investieren, wo Wil langfristig profitiert. Und nochmals: Wer alle Betroffenen – und dazu gehört auch die Wirtschaft - aktiv und früh einbezieht, findet meist bessere und tragfähigere Lösungen. Die Stadtregierung muss Haltung zeigen und sich nicht immer hinter dem Parlament verstecken.
Welches wirtschaftsrelevante Thema würden Sie bei einer Wahl in den Stadtrat bzw. ins Präsidium prioritär angehen?
Ich würde einen regelmässigen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft jeweils zu ganz konkreten Projekten forcieren. Wir haben Unternehmen, welche regelmässig Infrastrukturbauten realisieren oder Erfahrung darin haben, Abläufe effizienter zu gestalten. Man soll nicht zögern, guten Rat und Anregungen abzuholen. Gleichzeitig würde ich die Stärkung der Innenstadt angehen. Eine attraktive Innenstadt ist auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Wil muss eine Stadt bleiben, in der man nicht nur wohnt, sondern lebt, einkauft, ausgeht, sich begegnet und gerne arbeitet. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen sowohl für etablierte Unternehmen als auch für Startups. Ich möchte Menschen zusammenbringen und vorhandene Kräfte besser vernetzen. Gemeinsam kommt man weiter – das gilt in der Politik genauso wie in der Wirtschaft.
