14.6.26: Ersatzwahlen Wil «5 Fragen an...» Andreas Breitenmoser
Wie gestalten Sie den Austausch zwischen Stadt und lokaler Wirtschaft, damit Anliegen der Unternehmen wirksam in Entscheidungsprozesse und deren Umsetzung einfliessen?
Wirtschaftspolitik beginnt für mich nicht am Sitzungstisch, sondern im direkten Gespräch. Der Stadtrat pflegt heute einen jährlichen Austausch mit dem wrw-Vorstand sowie mit dem Vorstand des Gewerbevereins. Zudem ist der Stadtrat bei WPO mit drei Mitgliedern im Vorstand, in der Wirtschaftskommission und in der Delegiertenversammlung vertreten. Ich selbst bin Mitglied der WPO-Wirtschaftskommission und besuche, wenn immer möglich, Anlässe von wrw, GVWU und WPO. Als ehemaliger Unternehmer war ich 15 Jahre selbständig und bin als Mitglied des GVWU bis heute im lokalen Gewerbe verankert. Ich weiss aus eigener Erfahrung: Unternehmen brauchen keine schönen Worte, sondern kurze Wege, Verlässlichkeit und eine Stadt, die Anliegen frühzeitig aufnimmt und lösungsorientiert bearbeitet.
Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf für den Wirtschaftsstandort Wil und welche Massnahmen priorisieren Sie zur gezielten Stärkung der Standortattraktivität und der Wirtschaftsförderung?
Wil ist ein starkes regionales Zentrum. Gleichzeitig sind unsere Flächen begrenzt und die Erreichbarkeit bleibt eine Schlüsselaufgabe. Für mich liegt der grösste Handlungsbedarf deshalb bei einer aktiven Standortpolitik, die realistisch ist und Chancen konsequent nutzt. WILWEST ist dabei zentral: Es bietet Raum für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und eine gute Entwicklung der ganzen Region. Wichtig sind für mich der regelmässige Dialog mit den ansässigen Unternehmen, effiziente Bewilligungsverfahren und eine Verkehrspolitik, die Wirtschaft, Bevölkerung und Lebensqualität zusammendenkt. Mit WILWEST und der zusätzlichen Autobahnausfahrt können wir die Innenstadt entlasten und die Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandorts verbessern.
Wie erreichen Sie es, Wil als attraktiven Arbeits- und Lebensort für Unternehmen und Fachkräfte weiterzuentwickeln?
Fachkräfte kommen nicht nur wegen einer Stelle nach Wil. Sie bleiben, wenn das Gesamtpaket stimmt: Wohnen, Schulen, Kinderbetreuung, Kultur, Sport, Naherholung, Mobilität und ein lebendiges Zentrum. Genau darin liegt eine grosse Stärke unserer Stadt. Wil soll ein Ort sein, an dem man gerne arbeitet, wohnt, einkauft und seine Freizeit verbringt. Dafür braucht es eine Stadtentwicklung, die wirtschaftliche Dynamik und Lebensqualität verbindet. Gute öffentliche Räume, attraktive Quartiere, verlässliche Angebote für Familien und eine gute Erreichbarkeit sind dafür entscheidend. Wil soll sich weiterentwickeln und gut für die Zukunft aufstellen, ohne seine Identität zu verlieren.
Welche Rahmenbedingungen braucht es, um für Unternehmen in Wil, insbesondere bei Steuern, Verkehrsinfrastruktur und Bewilligungsverfahren, langfristig stabile, verlässliche und wettbewerbsfähige Verhältnisse zu gestalten?
Unternehmen brauchen eine Stadt, auf die sie sich verlassen können. Dazu gehören ehrliche Finanzpolitik, gute Erreichbarkeit und Bewilligungsverfahren, die nicht unnötig bremsen. Bei den Steuern braucht es Klarheit: Wil weist trotz eines Sparprogramms im Rahmen des Budgets 2026 ein strukturelles Defizit aus. Deshalb unterstütze ich eine Steuererhöhung um 6 Prozentpunkte, damit die Stadt ihre Aufgaben langfristig erfüllen kann und in ihrer Entwicklung nicht gebremst wird. Gleichzeitig braucht es weitere Sparbemühungen und klare Prioritäten. Bei der Verkehrsinfrastruktur sind die Netzergänzungen Nord und Ost zentral. Die Netzergänzung Nord ergänzt die künftige Autobahnausfahrt WILWEST, die Netzergänzung Ost die heutige Autobahnausfahrt Wil. Zusammen können sie die Innenstadt entlasten und die Erreichbarkeit verbessern. Zur Netzergänzung Ost liegt nun eine wichtige Grundlage vor: Die Grünaustrasse wird als Bestvariante ausgewiesen. Als Stadtrat und amtierender Vize-Stadtpräsident, aber auch als Unternehmer und Betriebsökonom, kenne ich die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen.
Welches wirtschaftsrelevante Thema würden Sie bei einer Wahl in den Stadtrat bzw. ins Präsidium prioritär angehen?
Ich möchte die Standortattraktivität von Wil als regionales Zentrum weiter stärken. Ein zentraler Hebel dafür ist die Ortsplanungsrevision. Sie muss zeigen, wie sich Wil trotz begrenzter Flächen klug weiterentwickeln kann und wie Wirtschaft, Mobilität, Wohnen und Lebensqualität besser zusammenspielen. Mir ist wichtig, dass der Stadtrat für wirtschaftliche Anliegen offen und nahbar bleibt. Unternehmen sollen unkompliziert in Dialog treten können und merken, dass ihre Anliegen ernst genommen und bearbeitet werden. Dazu gehören effiziente Bewilligungsverfahren, gute Erreichbarkeit und WILWEST als wichtiges Gebiet für Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Wil soll ein Standort bleiben, an dem Unternehmen gute Bedingungen vorfinden und wirtschaftliches Engagement möglich ist.
