24.3.26, HV c/o STIHL Kettenwerk 84. Hauptversammlung 2026
Rückblick, Wahlen und wirtschaftliche Einordnung
Neben den wirtschaftlichen Einordnungen bildete die eigentliche Hauptversammlung einen wichtigen Teil der Veranstaltung. Der Rückblick zeigte ein aktives Vereinsjahr mit zahlreichen Anlässen und verstärkter Zusammenarbeit mit den Partnerverbänden. Themen wie WILWEST, Berufsbildung und die Sichtbarkeit von Lehrberufen standen im Zentrum. Eine Live-Umfrage unter den Mitgliedern machte deutlich, bei welchen Themen der Fokus künftig liegen soll: Verkehr und politische Rahmenbedingungen dominieren klar. Dem wrw-Vorstand stellten die Mitglieder bei der Zufriedenheitsumfrage ein sehr gutes Zeugnis aus. Die Jahresrechnung 2025 schliesst trotz reduziertem Aufwand mit einem Verlust ab. Nach den Erläuterungen wurden die Jahresrechnung 2025 und das Budget 2026 genehmigt. Im Vorstand kam es zu Veränderungen: Markus Wagner (IGP) und Jochen M. Keller (Gremolith AG) wurden einstimmig in den Vorstand gewählt. Sie folgen auf Peter Breitenmoser und Marc Züllig, die für ihr langjähriges Engagement verdankt wurden. Erstmals seit 15 Jahren stand zudem eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge zur Abstimmung. Der Antrag wurde – bis auf wenige Enthaltungen – gutgeheissen. «Wir stellen die Weichen, damit wir unsere Rolle für die regionale Wirtschaft auch künftig aktiv wahrnehmen können», so Präsidentin Michèle Jäger. Gerade bei der Vernetzung und im persönlichen Austausch setzt die Wirtschaft Region Wil an.
Globale Konjunktur bleibt (noch) stabil
«Die Weltwirtschaft steht unter Druck, wächst aber weiter», sagt Alessandro Bee, CIO Economist von UBS Switzerland. Geopolitische Spannungen – insbesondere im Nahen Osten – treiben die Energiepreise und sorgen weltweit für Unsicherheit. Auch handelspolitische Risiken bleiben bestehen. Gleichzeitig sprechen politische Zyklen, etwa die bevorstehenden Midterm-Wahlen im November in den USA, dafür, dass einzelne Spannungsfelder eher kurzfristiger Natur sein könnten. Denn steigende Lebenshaltungskosten in den USA erhöhen den politischen Druck auf den Präsidenten und seine Republikaner zusätzlich.
Staatliche Impulse stabilisieren die Wirtschaft
Auch handelspolitisch hat sich die Lage verändert. Höhere Zölle und neue Rahmenbedingungen sind für viele Unternehmen zur Realität geworden und belasten die globale Wirtschaft. Für 2026 wird weltweit dennoch ein Wachstum erwartet, das in etwa dem Vorjahr entspricht. Fiskalpolitische Impulse in den grossen Wirtschaftsräumen stabilisieren die Entwicklung. Gleichzeitig zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Inflation in der Schweiz tief bleibt, liegt sie in den USA weiterhin über dem Zielwert. Ein besonders wichtiger Faktor für die Schweiz bleibt dabei Europa – allen voran Deutschland, ordnet Alessandro Bee ein: «Deutschland steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, das hat unmittelbare Konsequenzen für die Schweizer Wirtschaft.»
Deutschland als Schlüssel – und Unsicherheitsfaktor
Besonders relevant ist die Entwicklung in Deutschland für die exportorientierte Ostschweiz. Denn bei unseren nördlichen Nachbarn stagniert die Wirtschaft seit Jahren. Ein erstes positives Signal: Impulse durch staatliche Programme zeichnen sich ab. Offen bleibt jedoch, ob diese Entwicklung nachhaltig ist oder ob es sich lediglich um ein kurzfristiges Aufflackern handelt. Für Schweizer Unternehmen bedeutet das: Die Auslandnachfrage dürfte verhalten bleiben. Umso wichtiger wird die Binnenwirtschaft, die stabilisierend wirkt.
Region Wil im oberen Drittel
In diesem Umfeld behauptet sich die Region Wil gut, wie Alessandro Bee festhält. Im kantonalen Wettbewerbsindex liegt sie im ersten Drittel aller Regionen. Ausschlaggebend sind Faktoren wie die gute Erreichbarkeit, eine breit abgestützte Wirtschaftsstruktur und ein funktionierender Arbeitsmarkt. Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, wie wertvoll diese Standortqualitäten sind.
Industrie zwischen Dauerkrise und Anpassung
Wie sich die globale Lage konkret auswirkt, zeigt der Blick in die Industrie. Björn Rosenplänter, Geschäftsführer des STIHL Kettenwerks Schweiz, beschreibt die letzten Jahre als eine Art Dauer-Ausnahmesituation: Pandemie, Lieferkettenprobleme, geopolitische Konflikte und strukturelle Herausforderungen in Europa. «Globale Spannungen, Handelskonflikte und politische Risiken wirken sich heute direkt auf Lieferketten und Investitionsentscheide aus.» Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Anpassungsfähigkeit. «Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Man muss Lösungen sehen und als Führungskraft positiv bleiben.» Führung wird damit zum zentralen Erfolgsfaktor – mit Fokus auf Resilienz, klare Prioritäten und starke Teams. Dafür habe STIHL gezielt investiert – als Weg, um gestärkt aus der schwierigen Situation herauszukommen.
Regionale Stärke als Antwort auf globale Unsicherheit
Die Hauptversammlung wurde bewusst auch als Plattform genutzt, um globale Entwicklungen einzuordnen und ihre Bedeutung für die Region greifbar zu machen. «Unsere Unternehmen sind stark international vernetzt. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen früh zu verstehen und gemeinsam zu diskutieren», sagt Präsidentin Michèle Jäger. Die grossen wirtschaftlichen Herausforderungen entstehen global – doch die Antworten darauf werden zunehmend regional gesucht. Die Region Wil bringt dafür gute Voraussetzungen mit: eine robuste Wirtschaftsstruktur, engagierte Unternehmen und eine Plattform, die den Austausch fördert. Gerade in einem anspruchsvollen konjunkturellen Umfeld wird deutlich: Stärke zeigt sich nicht im Vermeiden von Krisen – sondern im Umgang mit ihnen.
Die 84. Hauptversammlung klang bei einem gemütlichen Abendessen und interessanten Gesprächen aus.
Unterlagen:
Präsentation Hauptversammlung wrw
Präsentation Alessandro Bee (UBS CIO)
Präsentation Björn Rosenplänter (STIHL)
Einige Impressionen des Abends:

















































